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Digitalfunk in Deutschland
Der Digitalfunk in Deutschland löst derzeit (Mitte 2011) den alten Analogfunk bei Behörden und den
Organisationen mit Sicherheitsaufgaben - kurz BOS - ab. Der Ausbau des neuen digitalen Netzes, das auf
dem Standard Tetra basiert, ermöglicht erstmals die flächendeckende, bundesweite Kommunikation zwischen
den BOS.
Der Tetra Standard
Mit dem Digitalfunk für die deutschen BOS entsteht das weltweit größte auf dem Tetra Standard basierende
Funknetz. Der Standard bedeutet Terrestrial Trunked Radio, er bietet eine universelle Plattform für
verschiedene Mobilfunkdienste. Durch den Ausbau von Universalnetzen über Tetra kann der gesamte
Digitalfunk von BOS, zu denen neben Behörden auch Industrie-
und Nahverkehrsbetriebe gehören, abwickeln.
Bis um das Jahr 1990 herum wurde überall auf der Welt der
Behördenfunk analog betrieben. Tetra wurde seither in
verschiedenen Staaten entweder für die landesweite Vernetzung
von Behörden oder für den lokalen Funk von Einzelanwendern
genutzt. Der Standard basiert auf dem
Frequenzmultiplexverfahren, es wird jeder Kommunikationskanal
in eine Up- und eine Downlinkfrequenz aufgeteilt. Es werden
verschiedene Trägerfrequenzen mit einem Abstand
untereinander zwischen 25 bis 150 kHz genutzt. Die
Frequenzökonomie, also die Ausnutzung der verfügbaren
Datenübertragungsraten pro Frequenzeinheit, ist genauso hoch
wie beim Mobilfunknetz GSM. Das Tetra-Netz basiert auf
einzelnen Funkzellen, zwischen denen ein Wechsel möglich ist, sodass die Kommunikation flächendeckend
stattfinden kann. Das Netz weist also für die Nutzer den gleichen Komfort wie ein herkömmliches
Mobilfunknetz auf, im Gegensatz zu den meisten analogen Netzen, die lokal begrenzt sind. Es ist abhörsicher
und verhält sich wie ein IT-Netz, in welchem Nutzer Berechtigungen und Ausschlüsse für die Teilnahme
erhalten.
Auch Benutzergruppen können zusammengeschaltet werden, wenn beispielsweise verschiedene Behörden
bei Großeinsätzen zusammenarbeiten müssen. Gegenwärtig ist der BOS Digitalfunk für eine halbe Million
Nutzer gleichzeitig ausgelegt. Dazu gehören Bundes- und Länderpolizei, Feuerwehren, Rettungsdienste wie
DRK, Johanniter und Arbeiter-Samariter-Bund, Zoll und THW.
Der Ausbau des Tetra Netzes
Durch den Digitalfunk wird eine verlässlichere Notfallhilfe gewährleistet, weil die Behörden übergreifende
Kommunikation sichergestellt wird. Bislang existieren rund 4.500 Basisstationen und 64 Kernnetzstandorte,
das sind Transitvermittlungsstellen und Netzverwaltungszentren. Andere Länder haben den Ausbau des
digitalen Standards schon etwas länger vorangetrieben als Deutschland, dazu gehören Großbritannien,
Belgien, die Niederlande, Dänemark, Finnland und Ungarn. Auf etwa dem gleichen Stand im Ausbau wie
Deutschland befinden sich derzeit unter anderem Norwegen, Schweden, Österreich und Portugal. Die
Systementscheidung erfolgt stets aufgrund der Standards, die hinsichtlich der Sicherheitsaufgaben von
Behörden erforderlich sind.
Dazu gehören die Gruppenkommunikation, die Netzverfügbarkeit auch im Fall von Katastrophen und die
Abhörsicherheit. Daneben sind über das Netz auch andere Datenübertragungsmöglichkeiten gegeben wie
etwa die Übermittlung von Fingerabdrücken oder sämtlichen Dokumenten. Bei Großveranstaltungen,
Staatsempfängen, Sportereignissen und Feierlichkeiten wird das Netz schon erfolgreich eingesetzt, auch im
täglichen Routineeinsatz nutzen viele Behörden den digitalen Funk, Mitte des Jahres 2011 parallel zum
analogen Funk. Wenn der Ausbau des Digitalnetzes abgeschlossen ist, könnte der Analogfunk noch als
Reserve bereitstehen, wird aber voraussichtlich nicht mehr regelmäßig genutzt.
In Deutschland wird die neue Technik gegenwärtig permanent in Hamburg, Berlin, Bremen, München,
Stuttgart, Leipzig, Frankfurt/Main, Erfurt und in den Regionen Lüneburg (Niedersachsen) sowie Trier
(Rheinland-Pfalz) eingesetzt. Die Basisstationen haben schon 13 Bundesländer freigeschaltet. Zwei
Netzverwaltungszentren in Hannover und Berlin arbeiten dauerhaft.
Notwendigkeit von Digitalfunk
Das digitale Netz bringt für BOS enorme Vorteile, weil die kommunikatorische Trennung zwischen den
Behörden - unter Einhaltung aller Sicherheitsstandards - aufgehoben wird. Daneben ist für behördliche
Einsätze stets ein separates Netz notwendig, übliche GSM-Netze brechen in
Katastrophenfällen zusammen. Hinzu kommen technische Leistungsmerkmale wie
Sicherheits-Log-ins, Gruppenschaltungen oder digitale Datenübertragungen, die in
normalen Netzen so nicht vorgesehen sind, auch wenn sie theoretisch realisierbar
wären. Der Analogfunk hat es niemals ermöglicht, alle Behörden
zusammenzuschalten, nicht einmal in jedem Fall die Polizeibehörden benachbarter
Bundesländer. Er ist nicht durchgängig abhörsicher und zuverlässig.
Beim Tetra-Standard wird dies durch eine spezielle Software (Ende-zu-Ende-
Verschlüsselung) gewährleistet. Deutschland nimmt im Jahr 2011 im
internationalen Vergleich mit dieser Technologie eine führende Rolle ein. Zu dieser
Technologie gehört vor allem die Möglichkeit der Einzelkommunikation, es können
Teilnehmer unter Ausschluss anderer am Netz Beteiligter Funkgespräche führen,
was durch die individuelle Adresse jedes Gerätes gewährleistet wird. Bei
Analoggeräten war diese Beschränkung des Teilnehmerkreises nicht möglich, was die Abhörsicherheit
dramatisch verschlechterte. Daneben sind Kapazität und Qualität des digitalen Netzes wesentlich höher.